JALAL GHOLAMI
Facharzt für Innere Medizin & Pneumologie
Sportmedizin · Ernährungsmedizin · Schlafmedizin

Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist eine Erkrankung, die dazu führt, dass betroffene Menschen zu Entzündungen der Bronchialschleimhaut neigen. Die Beschwerden sind typischerweise Husten (meist trocken, d.h. ohne Auswurf), Kurzatmigkeit (Luftnot, erschwertes Atmen) oder eine erhöhte Anfälligkeit für bronchiale Infekte. Asthmakranke werden in der Regel aufgrund dieser Atembeschwerden bei einem Pneumologen (Lungenarzt/ Lungenfacharzt) vorstellig. Auch wenn es als chronische Erkrankung bezeichnet wird bedeutet Asthmatikerin oder Asthmatiker zu sein weder, dass man dauerhaft Beschwerden hat, noch dass man sein Leben lang Medikamente nehmen muss.

Ursachen

Es kommt bei Asthma durch Entzündungsprozesse in der Bronchialschleimhaut zu den genannten Beschwerden. In ca. 70-80% der Fälle sind Allergien die Auslöser. In den übrigen Fällen sind die genauen Auslöser unbekannt. Aber die Beschaffenheit der Atemluft eine Rolle bei der Reizung der tiefen Atemwege. Trockene und kalte, genauso wie heiße oder feuchte Luft kann zur Auslösung (Triggerung) der Entzündungsreaktion der Bronchialschleimhaut führen.

Bei körperlicher Anstrengung im Rahmen von Sport, die in der Regel immer mit Mundatmung verbunden ist, kommt es mit einer Latenz von ca. 15 Minuten auch häufig zu einem Auslösen der asthmatischen Entzündung. Diesem kann durch eine intervallartige Aufwärmphase ca. 15 Minuten vor dem Sport oder die Anwendung antiasthmatischer Inhalationstherapie vor der Sporteinheit verhindert werden. Der Grund weshalb die Mundatmung das Asthma triggert ist, dass die Vorbereitungsfunktion der Nase bei der Mundatmung umgangen wird. Da die Nase im Rahmen der Mundatmung nicht mehr dazu kommt die Luft aufzubereiten (Filtern, Erwärmen, Befeuchten) führt diese zu einem relativen „austrockenen“ der Bronchialschleimhaut mit auftreten der Entzündungsreaktion bei Asthmatikerinnen und Asthmatikern.

Da bei betroffenen Menschen eine erhöhte Anfälligkeit für eine Beteiligung der tiefen Atemwege im Rahmen von Virusinfekten besteht, zählen auch Virusinfekte zu den Auslösern der asthmatischen Entzündung. Nicht selten kommt es bei Asthma auch nach Ausheilung eines Virusinfektes zu Wochen langen trockenen Husten im Anschluss an den Infekt. Asthmatiker/in zu sein führt also zu einer erhöhten Anfälligkeit für Virusinfekte (z.B. Influenza) und gleichzeitig triggern die Infekte das Asthma.

Ein weiterer möglicher Auslöser der bronchialen Entzündung ist Reflux von säurehaltigem Magensaft aus der Speiseröhre in das Bronchialsystem. Hier ist neben der pneumologischen Diagnostik auch eine gastroenterologische Abklärung erforderlich.

Welche Mechanismen führen beim Asthma zu Beschwerden?

  1. Vermehrte bronchiale Schleimproduktion (Hypersekretion)
    Die schleimbildenden Zellen (Becherzellen) produzieren Schleim um die Schleimhaut geschmeidig und feucht zu halten. Im Rahmen der Entzündungsreaktion wird die Schleimproduktion jedoch deutlich erhöht und der produzierte Schleim ist fest und zäh und kann nicht wie sonst durch die Flimmerepithelzellen abtransportiert werden. Der Schleim verbleibt also länger in den Bronchien und führt zu dem Gefühl bronchial verschleimt zu sein und häufig zu trockenem Husten, da sich das zähe Sekret durch das Husten nicht mobilisieren lässt. Und der Hustenreiz daher nicht nachlässt.
  2. Schleimhautschwellung (Ödem)
    Im Rahmen der Entzündungsreaktion erweitern sich die Blutgefäße in den tieferen Schleimhautschichten der Bronchien. Durch die Erweiterungen der Blutgefäße werden diese undicht und Wasser sickert aus dem Blut in die Gewebsschichten der Schleimhaut und diese quellen auf. Es kommt durch die Schleimhautschwellung zu einer Verengung des Bronchial Lumens, was zu erschwerter Atmung und oder Husten führt. Oft werden durch die Enge der Bronchien erzeugte pfeifende Atemgeräusche wahrgenommen.
  3. Erhöhte Anspannung der Bronchialmuskulatur (Bronchokonstriktion)
    Die zentralen Bronchialäste sind von zirkulär angeordneten glatten Muskelfasern umwickelt. Diese dienen der Regulation der Bronchialweite, die durch den jeweiligen Grad der Anspannung der Bronchialmuskulatur vorgegeben wird. Bei entzündlicher Aktivität des Asthmas kommt es zu einem erhöhten Muskeltonus dieser Muskelfasern, was durch Verengung der Bronchien zu rasch einsetzender Atemnot führen kann. Oftmals werden dadurch ebenfalls pfeifende Atemgeräusche erzeugt.

Therapie

Zunächst einmal ist es wichtig die Auslöser (Trigger Faktoren) der Entzündung zu erkennen, um diese dann zu vermeiden. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Allergien. Hierzu sind Untersuchungen auf die häufigsten inhalativen Allergene im Rahmen eines Pricktest angezeigt. Anschließend gilt es den Alltag so zu organisieren, dass inhalative Belastungen möglichst vermieden werden. Um die Beschwerdesymptomatik zu verbessern, kann auch eine Hyposensibilisierungstherapie gegen die entsprechenden Allergene hilfreich sein.

Betroffene Raucherinnen und Raucher sollten das Rauchen einstellen, da es die asthmatischen Beschwerden und somit die Kontrolle über das Asthma verschlechtert.

Des Weiteren sind Maßnahmen zur Infekt Vermeidung, insbesondere eine gute Handhygiene zu empfehlen, da jeder Atemwegsinfekt die asthmatische Entzündung triggern kann. Hierzu können auch Impfungen einen wesentlichen Beitrag leisten. Speziell empfohlen werden die Impfungen gegen:

  • Pneumokokken
  • Influenza (Grippe)
  • Keuchhusten
  • COVID-19

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, das Asthma ausreichend zu kontrollieren ist eine medikamentöse Therapie angezeigt. Hier wird stufenweise vorgegangen.

Die wichtigsten Bausteine sind hierbei die antientzündlichen- und die bronchienerweiternden Medikamente. Die Anwendung der Medikamente als Inhalation ermöglicht die Behandlung mit geringsten Dosierungen im µg Bereich, was das Auftreten von Nebenwirkungen sehr unwahrscheinlich macht. Eine bedarfsgesteuerte Anwendung hat Vorrang vor einer regelmäßigen Anwendung, sofern sich die Beschwerden damit ausreichend behandeln lassen. Da sich die Beschwerdesymptomatik je nach klimatischen Verhältnissen und Grad der asthmatischen Entzündung ändern kann sind regelmäßige pneumologische Kontrolluntersuchungen (in ca. 3-6-monatigen Abständen) im Rahmen des DMP Asthma bronchiale zu empfehlen, um die Therapie an das jeweils aktuelle Entzündungsniveau anzupassen.

Lassen Sie sich mit Ihrem Asthma bronchiale  von Lungenarzt Jalal Gholami langfristig betreuen.

Asthma und Psyche

Als wie belastend wir Husten oder Atemnot empfinden ist auch davon abhängig, wie wir uns psychisch fühlen. Gibt es im Alltag belastende Stressfaktoren wie Stress in der Partnerschaft oder im Beruf oder sogar eine psychische Erkrankung wie eine Depression oder ein Erschöpfungssyndrom, dann kann dieses den Grad der subjektiven Belastung durch die Atembeschwerden um ein Vielfaches verstärken. Es ist daher notwendig neben den oben aufgeführten Therapiemaßnahmen auch Maßnahmen zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens zu ergreifen, um auf diese Weise indirekt auch die asthmatischen Beschwerden zu verbessern.

Asthma und Sport

Regelmäßiger Ausdauersport verbessert die bronchiale Schleimhautüberempfindlichkeit, die bei vielen Asthmatikerinnen und Asthmatikern den Husten verursacht. Da beim Sport durch den gesteigerten Sauerstoffbedarf der Muskulatur und dem damit verbundenen Luftumsatz jedoch eine Mundatmung erforderlich ist führt diese gerade bei kalter trockener Luft zu einer Triggerung der asthmatischen Entzündung während, oder nach dem Sport. Aus diesem Grund wird eine vorheriges intervallartiges Aufwärmtraining ca. 10-15 Minuten vor der eigentlichen Sporteinheit empfohlen, um eine Freisetzung bronchienerweiternder Botenstoffe zu erreichen.

Es ist für alle Menschen gesundheitlich vorteilhaft regelmäßigen Sport zu betreiben. Für Asthmatikerinnen und Asthmatiker aber gilt das besonders. Oft fühlen sich Betroffene durch das Asthma in der körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Durch regelmäßigen Sport oder körperliche Aktivität kann diese aber unabhängig vom Asthma durch Verbesserung der muskulären Fitness und des Herz-Kreislaufsystems verbessert werden.